Was ist Realität - Täuschung - Selbsttäuschung
Wie nehmen wir Uns und Andere wahr? zurück
"Was wir denken oder tun, wird von all dem begrenzt, was wir nicht wahrnehmen. Und weil wir das nicht wahrnehmen, dass wir all das nicht wahrnehmen, lässt sich auch nur wenig tun, dies zu verändern, solange bis wir bereit sind und lernen wahrzunehmen,wie das so blendend Ausgeblendete unsere Gedanken und Taten dennoch beeinflusst, prägt und formt." So jedenfalls drückte es R.D.Lain in seinen "Knoten" aus.
Wir tarnen uns "bereinigen" unsere Biografie, wir schmücken oder kaschieren mit Details aus anderen Leben und täuschen damit uns und die Anderen. Der Weg in die Täuschung hat begonnen! Erst täuschen wir die Anderen und dann verbannen wir die nicht erwünschten Wahrnehmungen in das Unterbewusstsein. Die Selbsttäuschung nimmt ihren Lauf. Schon bald sind wir nicht mehr in der Lage, uns und die Realitäten aus der Vergangenheit so zu sehen, wie sie nun einmal waren, und - vergessen das wir vergessen haben.Und doch beeinflussen Verfälschung, Selbsttäuschung und Vertuschen das Dasein mehr als Sie ahnen! Die Leerstellen in ihrem Selbstverständnis oder ihrer Biografie sind nichts anderes als verbannte Wahrnehmungen.
Dazu gehört auch der "blinde Fleck", der physiologisch eine Lücke in unserem Sehfeld bezeichnet und psychologisch die Unfähigkeit darstellt, etwas bewusst so zu sehen, wie es in Wahrheit ist. Unbedingt zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass der blinde Fleck eine Schutzfunktion darstellt. Denn nicht immer können wir schmerzhafte Erinnerungen und Erfahrungen ertragen, so werden diese gefiltert und nur selektiv ins Bewusstsein aufgenommen. Meistens handelt es sich um Tatsachen, die so leidvoll und schwerwiegend für das Selbstbild und die damit verbunde Selbstachtung sind, dass sie verdrängt werden müssen.
Mit der selktiven Wahrnehmung schützen wir uns vor unseren Ängsten und lassen nur das ins Bewusstsein, was für uns erträglich ist.
Dagegen ist auch nichts einzuwenden.Wenn wir allerdings über einen langen Zeitraum unsere Realität verbiegen, dann kann aus der anfänglichen "Schutzmaßnahme" eine Lebenslüge werden, die uns von uns uns unserem eigentlichen Lebensinhalten und Lebens zielen wegführt.
Worin besteht nun der Unterschied zwischen Selbsttäuschung und Lebenslüge und wie bedingen sie sich einander?
Wir erfinden eine (unsere) Wahrheit, die den realen Gegebenheiten und unserer Wesensart nicht oder nur teilweise entspricht. Daraus manifestiert sich (wenn Sie es zulassen) eine Lebenslüge, die ihr gesamtes Sein und Tun bestimmt.
Oft ist es das "Eigentlich", das uns ( wenn wir es zuließen) darauf aufmerksam machen könnte, dass aus einer anfänglichen, vielleicht nicht sehr bedeutenden Selbsttäuschung eine Lebenslüge wurde.
Bei "Ibsen" finden wir fogendes " Nimm dem Durchschnittsmenschen seine Lebenslüge und du hast ihn auch seines Glückes beraubt".
Welche Lebenslüge, Illusion oder Selbsttäuschung, hindern uns nicht an unserer Entfaltung und wann beginnt der Selbstbetrug, der uns auf lange Sicht nur schaden kann?
Ich denke, diese Frage muss jeder Mensch für sich beantworten, allerdings sollte er sich um Ehrlichkeit und Einsicht sich selbst gegenüber bemühen.
Das sind fundamentale Voraussetzungen für alle weiteren Schritte, ohne Einsicht - und Mut - passiert überhaupt nichts.
C.G.Jung schrieb in seinen gesammelten Werken (Bd.13)Zürich 1967
"Alles Gute ist kostbar, und die Entwicklung der Persönlichkeit gehört zu den kostspieligsten Dingen. Es handelt sich um das JA-SAGEN zu sich selber - sich selbst als ernsthafteste Aufgabe sich vorsetzen und sich dessen, was man tut, stets bewusst bleiben und in allen seinen zweifelhaften Aspekt sich stets vor Augen halten - ,wahrlich eine Aufgabe, die ans Mark geht.


